Tschüss Shanghai, hallo Tokyo! 

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Es ist kurz nach 1 Uhr morgens und wir warten am Flughafen Pudong auf unseren Flieger nach Tokyo. Heute ist es endlich so weit! Jetzt könnte ich den Blog eigentlich umbenennen in boffi in Japan, aber halt mit Marvin… Maffi in Japan 😛

Die letzten paar Tage sind wie im Fluge vergangen. Mein Mentor Leon (der Hong-Kong-Chinese) hat sich als Partysau entpuppt: Letzten Samstag waren wir mit ihm, seiner Freundin und einigen HK-Chinesen Lamm essen und danach hübsch feiern…und ab 2 Uhr morgens gabs dann Absinth bei Leon in der Wohnung. Leon war früher immer mit den ausländischen Praktikanten feiern, hat sich aber dieses Jahr entschlossen, seriös wirken zu wollen und hat erst jetzt sein wahres Ich gezeigt. 

Gestern waren wir mit ihm und seiner Freundin Pekingente essen, da wir das ja leider nicht in Peking hingekriegt haben. Danach sind wir Shisha rauchen gegangen. Laut Marvin die teuerste Shisha seines Lebens, aber auch sehr lecker. Das war unser Abschied von Shanghai, und wir waren sehr glücklich damit. Leon hätte schon viel früher auftauen sollen, wir hätten die letzten Wochen so viel mit ihm erleben können. Unsere Runde war mutlikulti; wir deutsch, er HK-Chinese und seine Freundin Jessica eine waschechte Chinesin aus Sichuan. Die beiden sind füreinander wahrhaftig Ausländer, haben wir oft bemerkt: Die Sprache ist anders, die Mentalität ist anders, die Denkweise ist anders. Ab und an musste Jessica nicht nur uns, sondern auch Leon die Chinesen erklären.

So geht für uns das Kapitel Shanghai zu Ende. In Tokyo erwartet uns Marvins große Schwester Jacky, die gestern schon in Tokyo angekommen ist und mit uns die drei Wochen durch Japan reisen wird. Bevor wir uns also ins nächste Abenteuer stürzen, ist es Zeit zu resümieren. 

Ich denke, dass Shanghai eine einzigartige Erfahrung für uns war. Wir konnten viel reisen und Neues erleben, wir konnten ein bisschen frische Luft schnappen. Ich muss zugeben, dass wir viel zu wenig in die Kultur eingetaucht sind, da wir weder die Sprache intensiv gelernt noch uns in die Gesellschaft integriert haben. Den einzigen intensiven Kontakt hatten wir zu Leon, der kein echter Chinese ist… Wir haben die chinesische Kultur meist nur tangiert, ohne sie wirklich zu verstehen. Und oha, wie oft haben wir uns aufgeregt über die Chinesen, da ihre Handlungen ganz und gar nicht nachvollziehbar waren. Ist es nicht logisch, erst Personen aus der Bahn steigen zu lassen, bevor man reinstürmt? Oder sein Häufchen in die Kloschüssel zu machen anstatt vor die Kabine? Und ist es nicht offensichtlich, dass permanentes Gegen-den-Vordermann-Drücken nicht hilft, um in einer Schlange schneller ranzukommen? Ganz, ganz oft haben wir uns hier in China gefragt, ob wir im falschen Film sind und ob einige Personen schon jemals über ihr Handeln nachgedacht haben.

Jetzt ist es spannend zu erfahren, ob wir zu wenig Verständnis für diese andere Kultur haben (also ob es an uns liegt) oder ob die Chinesen mehrheitlich wirklich einen Knacks weg haben. Eventuell werden wir das schon in Japan mitkriegen. Überhaupt, hat sich Japan in den letzten fünf Jahren verändert? Und wie stark habe ich mich verändert? Könnte ich heute noch so gut mit der Gesellschaft und Kultur umgehen wie damals? Werden die Japaner mich genau so verzweifeln lassen wie die Chinesen die letzten vier Monate? Und nicht nur ich bin gespannt, auch Marvin fragt sich, wie das Land seiner Träume sich in der Realität macht. 

Gleich ist der Abflug, und die Spannung wächst. Wir werden euch auf dem Laufenden halten! Liebe Grüße aus dem Flieger, Marvin und Sophie 

2 Kommentare auch kommentieren

  1. Ulrike sagt:

    Im Gegensatz zu Deinem ersten Japanaufenthalt vor 5 Jahren haben wir zumindest jetzt regen Kontakt, ich frag mich immer noch, wie wir das ausgehalten haben, Sophie auf Abtauchstation.
    Grüße bitte auch Deine Gasteltern von uns, wenn Du in Osaka bist!
    Alles Gute für Euch in Japan und tolle Erlebnisse!
    Mama

  2. Bodo Rosahl sagt:

    Bärbel und Bodo stellen fest, daß euer Aufenthalt in China zeigt, wie unterschiedlich die Kulturkreise der Welt ticken. Manche ungewohnte Verhaltensweise möchte man gar nicht erleben. Nun wünschen wir Euch in Japan weitere interessante Erlebnisse mit ebensolchen Berichten und dann eine gute Heimreise.
    Viele Grüße aus Berlin von Bärbel und Bodo.

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