Baden in China

Hallo liebe Leserschaft!

Dieses Wochenende wollten wir wieder wandern gehen und dies, wenn möglich, ohne gleichzeitig eine komplette Tauchausrüstung dabeihaben zu müssen. Dieser Trip sollte nicht ins Wasser fallen!

Wir buchten uns vorher schon einen Zug, wir wollten einen Nachtzug ausprobieren, um möglichst früh am Ziel anzukommen und den ganzen Tag erfolgreich nutzen zu können. Extra buchten wir die teuerste Klasse, um auch wirklich eine möglichst angenehme Nacht haben zu können. Die Fahrt sollte von kurz nach 20 Uhr bis 7 Uhr morgens dauern, also knapp 11 Stunden, kosten sollte sie dann um die 35 Euro. Der Zug fährt dann natürlich extrem langsam, aber da man in der Zeit ja eh schläft, ist das nicht so schlimm.

Die teuerste Klasse bedeutet, dass man ein kleines, eigenes Abteil mit 4 Betten bekommt, perfekt somit für 4 Personen. Es gibt jeweils 1 Etagenbett links und ein Etagenbett rechts, der Raum ist abschließbar und die Betten eigentlich ganz bequem. Da einer unserer 4er Gruppe momentan seine Schwester zu Besuch hat, waren wir 5 Leute, was die Frage nach den Betten etwas schwieriger machte. Die Betten wurden einfach per Zufallsprinzip von der Reisebürokauffrau zugewiesen, wir überließen es also dem Zufall.

Sophie und ich schliefen zusammen in dem Abteil und schauten noch eine Serie, bevor wir zu Bett gingen. Die Betten waren recht bequem, aber auch keinen Millimeter zu breit für eine Person, rollen konnte man sich also nicht. Unschön war, dass die Federung des Zuges anscheinend nur von außen bemerkbar war. Der Zug hatte extrem große Federn, im Bett kam man sich teilweise trotzdem vor wie ein Martini, der für James Bond bestimmt sein sollte –>  „Geschüttelt, nicht gerührt“.

Die Nacht war für mich persönlich sehr lang und holprig, aber wenigstens konnte man liegen und sich ausruhen. An dem lauten Sägen, welches in meinem Zimmer herrschte, merkte man, dass anscheinend nur meine Nacht so schlaflos vorbeizog.

Schön war auch, dass man nach Sonnenaufgang feststellen konnte, dass die Toilette, die man am Abend zuvor benutzte, direkt auf die Gleise abgeleitet wurde. Die Gedanken beim Anblick erspare ich euch.

Kaum waren wir angekommen, so stiegen wir auch schon in einen Bus, der uns zu unserem Hotel und näher zu unserem Reiseziel bringen sollte. Die Busfahrt dauerte hier 90 Minuten und war relativ unkompliziert.

Ein Versprechen, welches uns vor der Abfahrt gemacht wurde, war, dass es in Huangshan (besagtes Reiseziel) kalt sein würde. Es wurde uns sogar geraten Pullover mitzunehmen. Ich freute mich wirklich sehr, in Shanghai wird es Tag für Tag wärmer. Ich freute mich wirklich, endlich mal wieder Kleidung tragen zu können, ohne es nach Sekunden wegen der hohen Temperaturen wieder zu bereuen.

Angekommen am Hotel, es war nun gegen 9 Uhr morgens, stellten wir unser Gepäck ab, wir zogen uns schnell um und brachen sofort zum Wandern auf. Da wir noch kein Frühstück hatten und in der kurzen Zeit auch kein ordentliches fanden, begnügten Sophie und ich uns mit jeweils 2 Snickers.

Wir gingen los, suchten uns den richtigen Bus und dieser brachte uns in 30 Minuten zu dem Gebirge, welches wir besteigen wollten. Bei den Bergen gibt es jeweils 2 Seilbahnen, die einen transportieren oder man läuft. Die Fahrt mit der Seilbahn dauert insgesamt ca. 10 Minuten und kostet 11 Euro. Das Besteigen des Berges dauert ca. 2,5 Stunden und die Strecke ist 6,5km lang.

Da wir 2 Tage wandern wollten, entschlossen wir uns, am ersten Tag den Aufstieg zu Fuß zu wagen und die Seilbahn für die Heimreise zu verwenden und am zweiten Morgen die Seilbahn zu nehmen und am Abend den Weg zu Fuß zu gehen. Der Weg sollte sehr anstrengend sein, weswegen wir nur das Nötigste mitnahmen.

Eingekleistert mit Sonnencreme machten wir uns auf den Weg, die tausenden Stufen zum oberen Plateu des Berges zu erreichen. Der Weg find relativ leicht an, ein gerader Weg, viele Treppen mit wenigen Stufen, aber trotzdem anstrengend. Schon nach 15 Minuten begannen wir zu begreifen, was wir eigentlich gerade taten. Mit jeder weiteren Minute verstanden wir es mehr. Die Frequenz der Treppen steigerte sich und auf jede genommene Stufe folgten weitere Stufen.

Arbeiter, die hier anscheinend jeden Tag hochliefen, taten uns hier auch etwas leid. Es gab die ganze Strecke hinauf Arbeiter, die einen großen Holzstab auf den Rücken trugen, an ihm jeweils 2 Eimer, gefüllt mit allem. Manche trugen Bier, andere Gemüse, manche Reis oder Eier. Jeder dieser Männer war extrem beladen und jeder trug bestimmt 60kg mit sich. Sie liefen denselben Weg wie wir, nur mit dem doppelten Gewicht. Man sieht in China nie jemanden schwitzen, dies waren die ersten wirklichen Arbeiter, die man wirklich so sah.

Der Weg war stellenweise wirklich eine Qual und viel anstrengender, als wir es am Anfang dachten. Es vergingen 2,5 Stunden, bis wir die 6,5km bestehend aus Stufen, Stufen und Stufen meisterten. Wir brauchten am Ende jede 5 Minuten eine kleine Verschnaufpause, um nicht gleich den Berg wieder herunterzurollen. Schön war es trotzdem, wir hatten alle das Gefühl, etwas wirklich Hartes geschafft zu haben.

Auf dem Weg gab es aber immer wieder Versorgungsstände, hier konnte man Getränke kaufen oder kleine Snacks. Berühmt ist es hier, sich in kaltem Wasser gekühlte Salatgurken zu kaufen und zu Essen. Anscheinend ist das hier wie ein gutes Eis zum Abkühlen in Deutschland. Außerdem gab es Würstchen, welche erstaunlicherweise süß waren und nach Zimt schmeckten.

Da die Chinesen wirklich keine gute oder deftige Wurst herstellen können, freuen wir uns schon auf das Versorgungspaket aus Deutschland, welches uns hoffentlich bald erreichen wird 🙂

Als wir ankamen, hatten wir erst kurz nach 12, da wir erst um 16 Uhr wieder nach unten fahren wollten, hatten wir also noch viel Zeit. Unser sportlicher Tag war also noch lange nicht vorbei. Wir wanderten umher und bestaunten alles, was wir sahen. Die Berge waren wunderschön und wir wurden zum ersten Mal in China sofort belohnt, ohne dass etwas davor totel schiefgehen musste.

Die Aussicht war sagenhaft und die schönste Aussicht, die wir bis jetzt in China genießen durften. Die Berge waren großartig und sie waren sehr  bewaldet. Selten haben wir so eine  Anblick genießen dürfen. Die Berge sahen aus, wie die Berge, die dem Film „Avatar“ seinen Namen gaben. Wir liefen oben noch viele Kilometer, schauten uns vieles an und bestaunten das gebotene Panorama. Zwar waren es oben auf dem Berg nur ca. 20°C, aber die sportlichen Anstrengungen forderten ihren Tribut. Wir fühlten uns die ganze Zeit wie wandelnde Badewannen, von innen gebadet.

Für euch gibt es natürlich wieder schöne Bilder 🙂

Wir haben hier z.B. den Affen gefunden, welcher die See beobachtet. So heißt ein berühmter Stein, der einem Affen wirklich gleich. Überall waren Zeichen angebracht, dass man Affen bitte nicht füttern soll, wir dachten am Anfang, dass es sich hierbei um einen Spaß handeln soll, was aber eigentlich nicht zu den Chinesen passt. Wir hatten noch keine Affen gesehen, das sollte sich aber an Tag 2 ändern 🙂

Monkey-Stone (in der Mitte ist der besagte „Affe“)

Nachdem wir schon viel gesehen hatten und unsere Füße glühten, wollten wir irgendwann nur noch zum Hotel. Wir suchten die Seilbahn auf und hofften, dass die Aussicht auch hier nochmal ein sehr gutes Bild bieten würde.

Der Weg zur Seilbahn, bestand nochmal aus mehreren hundert Stufen nach oben, irgendwann erreichten wir sie aber und waren glücklich. Die Fahrt dauerte 12 Minuten, kostete 11 Euro und war sehr schön. Erst auf der Fahrt realisierten wir, wie lang und steil unser Weg am Morgen eigentlich war!

Da wir am Morgen zu früh für den Check-In ankamen, hatten wir nur unsere Sachen bei der Rezeption abgegeben. Da es bei unserer erneuten Ankunft ca. 5 Uhr war, konnten wir endlich einchecken und unsere Zimmer sehen. Die Zimmer waren geräumig, wirklich hübsch und man hatte ein Bad aus Glas.

Wir verstehen echt nicht, warum man bitte ein gläsernes Bad haben wollen würde (inklusive Klo), aber die Chinesen finden das anscheinend echt toll. Dieses Mal gab es wenigstens eine Art Rollo, womit man dann das Bad blickdicht machen konnte, dies war uns dann doch recht genehm 🙂

Da wir wirklich erschöpft waren, gingen wir nur kurz duschen, dann sofort Essen (VIEL ESSEN) und dann schon fast ins Bett. Der folgende Tag sollte schließlich auch anstrengend werden!

Tag 2

Der zweite Tag fing an mit dem Frühstück-Buffets des Hotels. Dieses war dann doch etwas besser als der Müsliriegel des vorangegangenen Tages 🙂

Das Frühstück war chinesisch und einfach gehalten. Nudeln, Reis und etwas Gemüse. Man versuchte auch Kaffee zuzubereiten, aber der war hier eher als „komische, dunkle Milchbrühe“ zu identifizieren. Aber wie man weiß, ist schlechter Kaffee besser als kein Kaffee!

Der Aufstieg an diesem Tag war einfacher, die Seilbahn brachte uns an denselben Ort, an dem wir den Berg am Tag zuvor verließen.

Wir gingen sofort los und hatten schon eine Strecke ausgesucht, die 9km lang war und uns den Tag beschäftigen sollte. Natürlich waren auch an diesem Tag die Treppen wieder ausreichend vorhanden, erfreulicherweise hatten wir aber noch keinen Muskelkater vom Tag davor, wir konnten den Tag also ausnutzen.

Da wir schon sehr früh auf dem Berg waren, konnten wir uns hier auf dem Berg mehr Zeit lassen und so machten wir mehr Pausen, aßen oft Keks (anscheinend die beste Verpflegung beim Wandern!) und unterhielten uns, während wir uns immer noch freuten, wie gut der Trip denn lief.

Die Strecke an diesem Tag war wirklich interessant, man konnte etwas mehr klettern, die Treppen waren oftmals steiler und nicht so leicht zu begehen wie am Tag zuvor, es machte wirklich Spaß.

Wir schafften die Strecke trotzdem in einer sehr kurzen Zeit und wollten eigentlich auch zum höchsten Punkt des Berges, kurz davor fiel uns aber auf, dass dieser bis 2019 gesperrt ist. Somit konnten wir nur zum Nachbarhügel, welcher 4m kleiner war als sein großer Bruder. Von der Größe her ist das natürlich nicht interessant, die Strecke zum höchsten Punkt sah aber sehr interessant und actionreich aus.

Auch wenn wir den höchsten Punkt besteigen konnte, so hatten wir am Ende des Tages viel gesehen. Sogar einen Affen gab es! Dieser Affe war weit weg, aber man kann ihn hoffentlich erkennen!

Der kleine Punkt – Mitte links!

An dem Tag wollten wir den anderen Weg nehmen, um nach unten zu gelangen, die Stufen hier waren besonders Steil. Da es noch eine Abzweigung gab, die noch zu einem weiteren hohen Punkt führen sollte, trennte sich Sophie von uns. Unsere persönliche Kampfsau kämpfte sich noch eine extrem steile Treppe hoch und auf der anderen Seite wieder runter, während wir uns auf den Weg machten, sie später bei einer Gabelung wiedertreffen zu können.

Ihr Weg zu diesem Punkt sollte laut Angaben 3 Stunden dauern, diese Zeiten sind meistens etwas überspitzt, aber eigentlich immer nur um 10-20%.

Wir brauchten zum Treffpunkt 30 Minuten und somit warteten wir. Nachdem meine Begleiter keine Lust mehr hatten, wartete ich allein. Ich wollte Sophie nach weiteren 30 Minuten (Insgesamt war nun also eine Stunde vergangen) entgegenkommen und sie dann treffen und begleiten. Genau in diesem Moment kam sie mir aber schon entgegen, mit zitternden Knien und einem Kopf, der einer Tomate glich. Unsere kleine Kampfsau hatte es also geschafft, den Berg mit letzter Kraft noch hoch- und runter zu sprinten und dafür nur ein Drittel der angegebenen Zeit zu brauchen.

Da wir die anderen, die 10 Minuten vorher schon gingen, einholen wollten, sammelten wir noch unsere letzten Kräfte und rannten die hunderten Stufen des Abstiegs wie bekloppt herunter. Natürlich waren die Treppen nicht sehr steil, sonst hätten wir das nicht gemacht, so hier sah es nicht aus:

Das hier war übrigens der Sophiesche Einzelgänger-Weg

Wir kamen irgendwann an 5 chinesischen Jugendlichen vorbei, sie entspannten und auf ihrem Handy „Schnappi – Das kleine Krokodil“ hörten. Am Anfang mussten wir darüber lachen, dann sangen wir mit, was die Chinesen wiederum zum Lachen brachte. Man hört hier selten ausländische Lieder und wenn, dann sind sie weder Deutsch, noch sind sie alt.

Genau vor dem Ausgang des Abstiegs haben wir die anderen noch eingeholt. Wir stiegen in den Bus, wieder tot von dem ereignisreichen Tag. Wir aßen nur noch und schauten TV, der Tag war damit beendet.

Das Fazit der beiden Tage war, dass wir bestimmt 5000 Stufen genommen haben, wenn nicht sogar noch mehr. Für manche gab es sogar einen kostenlosen Sonnenbrand inklusive 🙂

Tag 3

Der dritte Tag war extrem unproduktiv und wir taten nichts. Wir schauten Filme, lagen im Bett und aßen. Nun war der Muskelkater da und er ist es noch immer. Unsere Beine schmerzen sehr, laufen ist möglich, aber Treppen weichen wir gekonnt aus!

Die Zugfahrt mit dem Schnellzug (4 Stunden) klappte problemlos und wir kamen wieder gut in Shanghai an. Wir freuen uns auf weitere tolle Trips, die so gut funktionieren wieder dieser 🙂

Am Mittwoch fliegen wir nach Yunnan, hier gibt es dann nächste Woche wieder viel zu Berichten!

Wir wünschen euch allen noch eine schöne Woche!

 

 

 

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