Fotoshooting mit Unke

Dieses Wochenende waren wir in der Nähe von Shanghai unterwegs. Am Freitagmorgen sind wir mit dem Zug in nur anderthalb Stunden nach Nanjing gefahren, die ehemalige Hauptstadt Chinas. Dort haben wir mit unseren Kommilitonen die BYC besucht, das Joint Venture zwischen der BASF und der chinesischen SINOPEC. Dort haben wir zum ersten Mal chinesische Unternehmensluft schnuppern können. Ein Deutscher war HR-Manager und hat ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert, wie groß die Verständigungsprobleme sein können. Sobald jedoch dieses Hindernis überwunden ist, seien die Chinesen extrem schnell in der Umsetzung. Da sind wir mal gespannt, wie es in unseren Abteilungen ab August wird…

Den Freitagnachmittag und Samstagmorgen haben wir noch für Sightseeing genutzt. Nanjing hat die besterhaltene Stadtmauer Chinas, von den ursprünglich 35 km sind noch zwei Drittel erhalten. Sie wurde Ende des 14. Jahrhunderts errichtet, ist unglaubliche 7 m breit und wir hatten sie am Freitag ganz für uns allein während unseres einstündigen Spaziergangs. Man sieht: Manchmal werden hier historische Stätten erhalten, und man kann auch in diesem überbevölkerten Land ein ruhiges Fleckchen finden.

Am Samstag besuchten wir die Gedenkstätte für die Opfer des Nanjing-Massakers. Als im Dezember 1937 die Japaner in das Land einfielen, floh die chinesische Regierung mit den Worten „Alle, die Blut und Atem in sich haben, sollten sich lieber wie Jade brechen lassen, denn wie Ziegel intakt bleiben.“ aus Nanjing. Die Regierung schloss die Stadttore hinter sich und somit rund eine halbe Million Chinesen in die Stadt ein. Die Japaner haben innerhalb von sechs Wochen zwischen 200.000 und 300.000 Chinesen getötet und mehr als 20.000 Mädchen und Frauen vergewaltigt. In der Gedenkstätte wurden Fotos und Zeitungsberichte ausgestellt, und eine Halle wurde über einem Massengrab errichtet, in dem die Skelette von 160 Chinesen lagen. Die Ausstellung war sehr eindrücklich und hat mich an das Konzentrationslager Auschwitz erinnert.

Am Mittag sind wir nach Suzhou weitergefahren. Suzhou sagt euch vielleicht was, dort waren wir schon vor ein paar Wochen. Ich mochte die Stadt so sehr, dass ich noch einmal dorthin wollte. Wir haben am Samstag nicht viel gemacht, außer durch die Stadt zu laufen und zu essen. Der Höhepunkt des Wochenendes war aber eindeutig der Sonntag. Ursprünglich wollten wir einen der Berge am Stadtrand besteigen und danach den Tigerhügel besichtigen. Auf dem Tigerhügel steht die Wolkenfelsen-Pagode, die sich seit ihrer Errichtung um 2 m geneigt hat. Der schiefe Turm von Suzhou quasi. Letzten Endes haben wir uns entschieden, auf den Tianpingshan zu steigen, von dem aus wir die schiefe Pagode haben sehen können, weshalb wir uns deren Besichtigung aus nächster Nähe erspart haben 😉 Stattdessen sind wir sehr lange auf dem Tianpingshan herumgekraxelt. Es gab zwar einige befestigte Wege und Treppen, aber viele Pfade waren naturbelassen, sodass man tatsächlich klettern konnte. Pünktlich, nachdem wir den Gipfel erklommen hatten, begann es zu regnen. Am Fuß des Tianpingshan war eine schöne Parklandschaft angelegt, mit einem See, auf dem wir uns ein Tretboot mieteten. Der See war unerwartet klein (eher ein Teich), sodass wir die 20 min Bootsfahrt mit Herumdümpeln und einem Unkenfotoshooting herumbrachten. Am Sonntag sind wir relativ früh wieder nach Shanghai zurückgekehrt. Es hat nach all den Städtetrips unheimlich viel Spaß gemacht, in der Natur zu sein und am Ende des Tages erschöpft ins Bett zu fallen. Ich überlege schon, ob ich in der Praxisphase nicht noch einmal einen Ausflug nach Suzhou zum Wandern mache.

Gestern hatten wir unsere letzte Vorlesung in Business Intelligence. Unser Professor hat uns statt trockener Folien einen Ausflug zum zweiten Campus der Tongji Universität organisiert. Wir sind zwar anderthalb Stunden bis an den Stadtrand Shanghais gefahren, aber es hat sich gelohnt: Wir konnten die größte Erdbebensimulationshalle der Welt, das Maglev-Labor und einen Windtunnel besichtigen. Alle drei Stationen waren sehr beeindruckend, doch am interessantesten fanden wir die Besichtigung des SAIC-Volkswagen-Werkes direkt neben dem Campus. Wir wurden auf kleine Tschut-Tschut-Bahnen verfrachtet und durch die Hallen gefahren, wo wir verschiedene Produktionsschritte verfolgen konnten. Erstaunlich wenige Menschen waren in der Fabrik. Viele Maschinen mit vielen Armen arbeiteten scheinbar selbstständig, schweißten oder schraubt etwas zusammen. Schon ein bisschen gruselig…

Zum Abschluss des Tages haben wir Burger gegessen und die Minions (auf Englisch) im Kino gesehen. Burger kann ich hier in Shanghai sogar empfehlen, aber das Kino hätte man sich schon ersparen können. Vor allem den extrem unhöflichen Mann an der Kasse…

Momentan ist es so unglaublich heiß, seit mehreren Tagen klettern die Temperaturen auf über 35°C. Wir sind froh, wenn wir uns in einen klimatisierten Raum verkrümeln können (darum das Kino!). Auch das Wandern bei Suzhou wurde durch die Hitze erschwert. Und kommendes Wochenende geht es zum Huang Shan, ratet mal, was wir da machen werden 😉 Beim Wandern in China erwarten uns scheinbar nur Extreme, ob sintflutartiger Regen oder tropische Temperaturen… Ihr könnt euch jedenfalls auf einen Bericht mit hübschen Fotos freuen!

Marvin und Sophie

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  1. Bodo Rosahl sagt:

    Bodo in Berlin hat zum ersten Mal von Eurer Reise gehört und den umfassenden Bericht gelesen. es freut uns sehr, daß Ihr jungen Leute so viel erleben könnt. Für uns Alte der ehemaligen DDR ist das unfaßbar. Wir beglückwünschen Euch, freuen uns mit Euch und grüßen herzlich.
    Bärbel und Bodo.

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