Die Transformation in einen Schlumpf

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Hallo liebe Leserschaft,

die letzte Woche haben wir viele Kurse der Uni abgeschlossen, Prüfungen geschrieben und auch mündlich einiges absolviert. Wir haben nun fast den ganzen Stress hinter uns und nur noch 2 Kurse pro Woche, die wichtig sind und wirklich bewertet werden. Das freut uns, da man nun nicht mehr bis 17 Uhr Uni hat und dann auch noch viele Stunden etwas leisten muss, um die „Hausaufgaben“ bewältigen zu können.

Da viele Leute um uns krank geworden sind die letzten Tage und der Stressabfall auch eingetreten ist, haben Sophie und ich uns eine schöne Erkältung geteilt. Man teilt als Paar ja wirklich alles und da keiner von uns geizig ist, gab es die Krankheit im Doppelpack.

So schlimm ist das diese Woche aber nicht, wir wollten uns ein entspanntes Wochenende machen und viel zuhause bleiben. Reisen ist zwar schön, aber wenn man es jedes Wochenende macht, so ist das auch wirklich anstrengend. Außerdem gab es noch viele Reisen und Ausflüge zu buchen und organisieren.

Freitag

Am Freitag nach der Uni machten wir uns an das Buchen von Yunnan, unser Reiseziel in ein paar Wochen, wo wir euch hoffentlich viele tolle Geschichten und Bilder senden können. Da das ganze „WELCHES HOTEL NEHMEN WIR DENN NUN??!?!?!?!?! *PANISCH HERUMSCHREI*“ leider viel Zeit beansprucht, haben wir auch nicht viel mehr geschafft an diesem Freitag.

Sophie hatte sich von einer Dozentin ein Set besorgt, womit sie mit Hilfe von Wasser und Papier chinesische und japanische Zeichen üben kann, dieses Papier ist besonders, da es bei dem Kontakt mit Wasser schwarz wird. Wenn es getrocknet ist, kann man es aber erneut verwenden.

Jeder, der meine Schrift und meine Malereien kennt, der weiß, wie toll ich hier chinesische Zeichen gekrakelt habe 🙂

Samstag

Am Samstag sind wir dann ins Reisebüro gegangen und haben 5 Zugfahrten gebucht, haben uns Hotels angeschaut und haben Wäsche gewaschen, natürlich begleitet von einer tollen Runde „UNG“. Das schöne war auch, dass unsere „Google-Meisterin Sophie“ herausgefunden hat, dass unser Dozent unsere Hausaufgaben oft aus dem Internet kopiert, was für uns bedeutet, dass auch diese Zeit für uns nun als Freizeit zu betrachten war, da die Lösung meistens auch dort zu finden waren 🙂

Da wir nach dem organisatorischen Dingen Freizeit hatten, liefen wir durch die Stadt und gingen in einen Tempel, welchen Sophie unbedingt sehen wollte. Hier sollte es einen 190cm großen Buddha geben, aus reiner Jade. Wie überall in Shanghai, gab es Krach und Getöse in dem Tempel. Es wurde einiges neu gebaut und renoviert, der Tempel sah aus, als wäre er erst gestern erbaut worden. Das sah wirklich gut aus, schönes braunes Holz mit modischen schwarten Akzenten, aber im Austausch ging der Charme etwas flöten. Schön war der Tempel, es gab sogar einige große Statuen, die wirklich beeindruckend waren.

Danach hatten wir, wie eigentlich immer, Hunger. Wir wissen nicht, woran es liegt, aber gerade essen wir viel mehr als sonst, zum Glück kostet das Essen nicht so viel 🙂

Man isst hier immer gut, aber etwas hatten wir schon sehr lange nicht mehr gegessen: Sushi. Auf Empfehlung von anderen Kommilitonen gingen wir Sushi essen, absolut frisch und vor einem zubereitet. Es gab wirklich tolle Dinge und wir waren sehr zufrieden, endlich mal wieder rohen Fisch, Sophie und ich begannen sofort uns auf Japan zu freuen.

Sonntag

Sonntag war der ereignisreichste Tag. Hier wollten wir uns nur von Restaurant zu Restaurant kugeln, zur Massage gehen und abends Filme gucken.

Davor muss man noch anmerken, dass anscheinend nun die heiße Phase in Shanghai beginnt. Seit ein paar Tagen ist es extrem heiß hier, davor war es ja schon wirklich warm, aber nun läuft man jedes Mal, wenn man das Gebäude verlässt, vor eine Wand aus purer Hitze. Die Klimaanlagen in den Gebäuden sind immer auf ca. 18 Grad Celsius eingestellt und draußen sind es nun 35 Grad Celsius bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit. Man sagte uns, dass es sogar noch viel heißer werden soll, eigentlich ist somit jede Kleidung die falsche Kleidung.

Nach einem kleinen Frühstück stellten wir uns der quälenden Hitze und machten uns auf den Weg zur Massage, hier konnte man sich für 66 Yuan durchkneten lassen. Umgerechnet sind das nicht mal neun Euro für 45 Minuten. Insgesamt gingen wir mit vier Leuten los, unsere 2 Verbündeten waren schon mal bei der Massage und konnten es als „angenehme und fast schmerzfreie Behandlung empfehlen“, es sollte sich später herausstellen, dass man es hier anscheinend mit Aussagen von absoluten Masochisten zu tun hatte.

Auf dem Zahnfleisch kriechend und von innen frisch gebadet kamen wir am Massagesalon an und wurden mit großen Augen begrüßt. Man fand Ausländer hier toll und man durfte sie sogar massieren, ist das nicht Luxus? Mit Hilfe eines online Übersetzers verstand man sogar, dass man nicht nur gekommen war, um die Besitzer zu Erfreuen und viele Bilder und Videos von uns machen zu lassen.

Was man hier sagen muss, ist, dass die Gastfreundschaft in dieser Lokalität wirklich Wahnsinn war. Da es nur drei Masseusen gab und wir zu viert ankamen, entschieden wir uns, immer im Duett unsere Schmerzensschreie ausklingen zu lassen. Zuerst gingen die Frauen in den Massageraum. Schön war, dass es eine coole Lounge gab, wir haben schöne Schlappen bekommen, wurde vor einem riesigen Fernseher abgesetzt und bekamen frischen Tee eingeschenkt. Kaum angeschaltet, lief auf dem Fernseher ein extrem kitschiges, chinesisches Drama mit chinesischen Untertiteln. Wir hatten absolut keine Ahnung, worum es ging. Anscheinend war es ein berühmtes chinesisches High-School Drama, was so extrem verkitscht dargestellt wurde, dass man trotzdem manchmal lachen musste.

Während des Schauens wurden uns sogar noch Trauben gebracht und später noch eine ganze geschälte Gurke, so ein Luxus. Der vermeintliche Besitzer des Salons schien uns anscheinend zu mögen, auch wenn unsere Gespräche für ihn wohl so gewesen sein mussten, als würde man versuchen mit Affen zu sprechen.

Das wohl dümmste passierte, als ich aufs Klo musste und fragen wollte, wo es denn sei. Ich nahm das IPhone meines Kommilitonen (meins war im Hotel geblieben), öffnete die Übersetzungs-App und gab „Toilette“ ein. Fragend ging ich zur ersten Mitarbeiterin die ich fand und zeigte ihr das wundersame Strichgekritzel. Die Mitarbeiterin guckte mich an, als würde ich sie darum bitten, mich bitte kurz auf den Mars zu fliegen und mir dort ein indisches Curry im Bikini zuzubereiten.

Die Dame ging weg, holte eine ihrer Kolleginnen und sie guckten beide komisch, dann watschelten sie los und gingen in verschiedene Räume. Zurück kamen beide mit Raumbeduftern, diese wollten sie mir geben, was ich absolut nicht verstand.

Kurz darauf musste ich stark lachen, denn mein Freund hatte sein Handy auf eine Übersetzung eingestellt, welche von dem Englischen in das Chinesische übersetzen sollte. Im Englischen, würde man hier natürlich nicht nach „Toilette“ suchen, wahrscheinlich verstand es die App als „Eau de Toilette“ und somit als Parfum. Zugegeben, wäre ich die Mitarbeiterin gewesen, so hätte ich auch komisch geguckt 😀

Die App habe ich daraufhin kurz umgestellt und das Wort erneut eingegeben, ich zeigte es der Mitarbeiterin und sie lachte nur. Es war etwas peinlich, aber anscheinend wurde ich nun verstanden. An diesem Beispiel erkennt man, dass die Chinesen sich hier wirklich alle Mühe gaben, einem alle Wünsche zu erfüllen, auch wenn es nur mit der Hilfe eines Raumbedufters klappen sollte.

Die Mädels waren irgendwann fertig und Sophie schaute sehr gequält, ich war daraufhin an der Reihe und ging mit der Masseuse und war schon gespannt, warum Sophie aussah wie eine wandelnde Leiche. Die besagte Masseuse war eine Chinesin, sie war klein, zierlich und wog wahrscheinlich ein drittel von mir. Man legte sich hin und schon fing es an. Die kleine Chinesin tastete meine Wirbelsäule ab, legte ihre Daumen über jeden Wirbel und drückte mich in die Liege, als würde sie mich wiederbeleben wollte. Meine Wirbelsäule knackte bei jedem Drücken und man merkte, wie jeder Wirbel von und wieder in seinen Platz sprang, dass Tat etwas weh, war aber nur ein kleiner Vorgeschmack.

Die Chinesin war klein und zierlich, wusste aber anscheinend genau, wo man zu drücken hatte und ließ mich die schmerzvollsten 45 Minuten erleiden, für die ich je bezahlte. Man muss den Masseusen lassen, dass sie anscheinend wirklich wussten, war sie taten, aber an manchen Körperstellen war es wirklich schmerzhaft. Man hatte das Bedürfnis abzubrechen und schreiend aus dem Raum zu rennen, ich verstand Sophies Gesicht nun. Da mein lieber Kommilitone neben mir lag, er gleichzeitig massiert wurde und ständig von „angenehm und entspannend“ sprach, stand meine Diagnose fest: „Extremer Masochist“.

Im Nachhinein sieht man, wie mein Rücken die Prozedur fand. Er besteht nun aus Blutergüssen, vielen verschiedenen. Manch einer hätte wohl gefragt „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Hiermit war meine Transformation abgeschlossen, die Transformation in einen Schlumpf.

Naja, Sophie und ich hoffen, dass es wenigstens etwas gebracht hat, damit sich die Schmerzen lohnten.

Nachdem wir „noch mehr defekt“ durch die Stadt liefen, gingen wir noch einkaufen, in einem Walmart. Das war unser erster Besuch in einem Walmart, der uns begeisterte. Es gab hier normalen Käse, Wurst und Brot zu kaufen, wir waren sehr glücklich, sowas findet man hier normalerweise nicht. Am Abend sollte es einen halben Meter Baguette geben mit viel Wurst, Käse, ein paar Doritos (ja, die besten Chips überhaupt) und viel Soße, die Ernährung ist schließlich wichtig!

Am Abend schauten Sophie und ich Game of Thrones und aßen… und aßen… und aßen. Man kann sich also Vorstellen, wie produktiv und toll dieser Abend für die Autoren gewesen sein mag 🙂

Nächstes Wochenende gehen wir nach Nanjing und wir besichtigen die ansässige BASF, anschließend schauen wir uns noch ein paar Städte an, es gibt also nächste Woche wieder viel zu sehen, seid gespannt 🙂

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