さよなら – Sayonara

Direkt nach Marvins letztem Blogeintrag sind wir gut in Kyoto angekommen. Die Stadt war ein bisschen ausgestorben, aber das lag wahrscheinlich an besagtem Taifun. Wir haben uns trotzdem ein bisschen Sightseeing nicht nehmen lassen und uns zwei buddhistische Tempel angeschaut. Ab jetzt müsste es vielen Bloglesern bekannt vorkommen, vieles habe ich schon vor fünf Jahren beschrieben. Einer der Tempel war der Kiyomizudera, der auf einem Holzgerüst steht. Leider war das Holzgerüst selbst von einem Holzgerüst umgeben, da der Tempel renoviert wurde.

Danach sind wir in unsere Unterkunft gefahren, die zwar ein bisschen außerhalb Kyotos war, aber dafür sehr groß und traditionell. In der Nacht kam dann der Taifun, wir haben aber nur ein bisschen Regen und Sturm mitbekommen.

Am nächsten Tag haben wir uns mit meiner Gastfamilie getroffen. Das erste Mal seit Januar 2013, da hatte ich schon ein bisschen Pipi in den Augen…Wir haben mit ihnen schön Mittag gegessen und danach gemeinsam Sightseeing gemacht. Wir waren in einem sehr traditionellen Viertel Kyotos, wo auch mehrere Frauen im Kimono rumgerannt sind. Dann haben wir uns den Goldenen Pavillon Kinkakuji angeschaut. Hier musste mein Gastvater zugeben, dass er ihn noch nie gesehen hatte. Offensichtlich haben wir meine Gastfamilie zu einem längst fälligen Kulturprogramm im eigenen Land genötigt! 😛 Abends haben wir dann noch mit Okasan, Otosan und Yumeho (meiner Gastschwester) Sushi gegessen und sind dann gut gesättigt in unser traditionelles Haus zurückgekehrt.

Am Dienstag, dem 19., sind wir nach Osaka weitergereist. Dort hatten wir ein ganzes (winziges) Häuschen für uns, direkt in der Nähe von Dotomburi, dem interessantesten Viertel Osakas. Wir haben den Tag damit verbracht, durch die Straßen zu laufen und abends Karaoke zu singen. Aber diesmal günstig, ohne uns übers Ohr hauen zu lassen!

Am nächsten Tag haben wir uns aufgeteilt: Marvin und Jacky sind nach Kobe gefahren, um Steak zu essen, und ich bin zu meiner alten Schule gefahren. Schon auf dem Schulweg der erste Schock: Die Uniform wurde verändert. Sie sieht jetzt total süß aus mit Schleife, so eine hätte ich auch gerne gehabt! T.T

Ich habe meine Klassenlehrerin von damals wiedergetroffen und meine Japanischlehrerin Fujita-Sensei, mit letzterer bin ich schön Okonomiyaki essen gegangen. Nachmittags habe ich meinen Kendolehrer wiedergetroffen. Sogar mein Name hing noch in unserem Dojo!

Abends hat sich unsere kleine Gruppe wieder vereint und wir sind mit Kanami-Senpai (der mich übrigens letztes Jahr im Februar in Deutschland besucht hatte) und seinem Papa essen gegangen. Wir hätten wirklich nicht gedacht, dass wir in ein so gutes Restaurant gehen, mit Ausblick auf das Schloss von Osaka, und dabei ein mehrgängiges Menü mitsamt gutem Alkohol ausgegeben bekommen. Wir haben zum ersten Mal Sashimi gegessen und sprudelnden Sake getrunken. Das wäre mal eine Alternative zu Sekt! 😀

Übrigens haben Jacky und Marvin mir vorm Schlafengehen lang und breit von ihrem Kobe-Steak berichtet. „Das Fleisch hätte man lutschen können!“ Lasst es euch doch von diesem Geschmackserlebnis persönlich erzählen, wenn ihr Marvin das nächste Mal trefft 😉

Am Donnerstag sind Marvin und Jacky Osakas Aquarium gegangen, um Fische zu bewundern. Ich habe mich wieder abgeseilt und mit meinen zwei anderen Japanischlehrerinnen Doge-Sensei und Hirano-sensei zum Mittag getroffen. Gott sei Dank sind im Laufe der drei Wochen meine Japanischkenntnisse wieder ans Licht gekommen, ich war hoffentlich keine allzu große Enttäuschung für meine Lehrerinnen 😀

Am Abend sind Marvin, Jacky und ich zusammen zum Haus meiner Gasteltern gefahren. Das hat sich verändert! Nur wenige Tage vor unserem Treffen haben sie die alten dunklen Schrankwände rausgeschmissen und gegen neue, strahlend weiße ersetzt. Ich habe gemerkt, dass sich in fünf Jahren viel tun kann: Mein Gastvater hat 20 kg abgenommen, meine Gastschwester ist zum Studieren nach Kyoto gezogen, einer der beiden Hunde ist gestorben. Der kleine Popo, der noch lebt, hat mich allerdings freudig kläffend wiedererkannt! Wahnsinn. Wir haben zusammen gegessen und danach ein kleines Feuerwerk gezündet.

Am Freitag wollten wirklich eigentlich früh los zum Kultur- und Sportfest meiner Schule, da ich sie auch Jacky und Marvin mal zeigen wollte. Danach war der Berg Koyasan geplant… Jedenfalls haben wir verschlafen und sind so spät bei der Schule angekommen, dass wir den Koyasan streichen konnten :/ Aber das Sportfest war das Tauziehen hübsch anzuschauen und beim Kulturfest haben wir eine Stunde dem Chorwettbewerb der Mittelschule zugehört. Natürlich, das erste Lied musste ein religiöses Lied sein (immerhin war die Seikyogakkuen eine christliche Schule), aber das zweite Lied durfte ein Poplied sein. Zum Mittag haben Marvin und ich in Dotomburi Yakiniku gegessen. Da kriegt man einen kleinen Grill auf den Tisch gestellt und darf sein Fleisch selbst grillen. Dank des Fleischbuffets hatten wir eine sehr gute Grundlage für das dritte Mal Karaoke in diesen drei Wochen. Betrunken singts sich einfach besser, auch wenn die Töne nicht getroffen werden 😉

Am Samstag haben wir uns noch einmal mit meiner Gastfamilie getroffen. Nachdem wir das Schloss bisher nur aus dem Restaurant sehen konnten, wollten wir endlich das Innere sehen. Wir hätten den berühmt-berüchtigten Aufzug nehmen können, aber da wir keine Lust auf 15 min Anstehen hatten, sind wir die 8 Etagen nach oben gelaufen. Danach haben wir noch eine kleine Bootsfahrt auf dem Dotomburifluss gemacht und viele Takoyaki (Oktopusbällchen) verdrückt. Wer sich wundert, warum meine Gastfamilie am Montag UND Samstag Zeit für uns hatte: Beide Tage waren Feiertage, sonst hätten Otosan und Okasan arbeiten müssen. Abends sind wir mit drei alten Schulfreundinnen von mir essen gegangen.

Sonntagmorgens hieß es dann am Bahnhof Osaka Abschied nehmen: Okasan und Otosan hatten diesmal sogar meinen Gastbruder Umito mit im Schlepptau, damit wir uns wenigstens einmal gesehen haben! Dann ging unsere Reise auch schon weiter nach Hiroshima.

Hiroshima ist eine so friedliche und ruhige Stadt, die stark von dem Atombombenabwurf vor 72 Jahren geprägt ist. Wir haben den Nachmittag im Friedenspark verbracht und das Museum besucht. Ich denke, dass Marvin und Jacky auch sehr mitgenommen waren von den Bildern und Ausstellungsstücken. Die Fotos zeigten, wie ein Kimono mit der Haut einer Frau verschmolzen ist, wie Kindern durch die Strahlung Haare und Zähne ausgefallen sind, oder wie sich Leichen in den Straßen Hiroshimas gestapelt haben. Es war beängstigend, das Ausmaß der Katastrophe zu sehen, und ein paar Meter weiter eine Übersicht über den aktuellen Atomwaffenbesitz der Länder der Welt.

Am Montag sind wir auf die Insel Miyajima übergesetzt und haben die Schreine, Tempel und freilaufenden Rehe bewundert.

Am Dienstag sind wir nach Beppu weitergefahren, der Onsen-Stadt Japans. Im Winter ist die gesamte Stadt in Dampf gehüllt von den vielen Badehäusern der Stadt. Kaum angekommen ist uns auch schon aufgefallen, dass es in der Onsen-Stadt auch nichts Anderes gibt außer Onsen. Also sind wir in einen Onsen gegangen! Zuerst wurden wir in warmen Sand eingepackt, der einen richtig zum Schwitzen brachte. Danach ging es in das 43°C heiße Wasser. Das tat schon weh ^^“ Am Nachmittag sind wir an den Strand Beppus gegangen, und ich habe meinen zwei Kindsköpfen zugeschaut, wie sie sich mit Sand beworfen haben…haaaaach, Geschwister 😉 Am Abend sind wir in den privaten Onsen unseres traditionellen Hotels gegangen. Ein richtig entspannter Tag also!

Die letzte Station unserer Japanreise war Fukuoka. Dort haben wir noch einmal kräftig geshoppt und sind dann Shabu-shabu essen gegangen. Da kriegt man einen kleinen Kochtopf auf den Tisch gestellt und darf sein Fleisch selbst kochen. Kennen wir schon so ähnlich, ne?

Am 29. September war es dann so weit: Wir haben uns von Jacky getrennt, sind nach Shanghai zurückgeflogen und quer durch die Stadt zur BASF gegurkt, um unsere Koffer einzusacken. Das hat alles problemlos geklappt, und wir haben uns in der Kantine noch zwei Pizzen von Doktor Oetker gegönnt. Dieser eine Tag war allerdings wieder eine geballte Portion China: Stinkende Straßen, ein Kind, das auf die Straße kackt, drängelnde und rotzende Menschen. So wie der Abschied von Japan einer mit zwei weinenden Augen war, so war der Abschied von China einer mit zwei lächelnden Augen. Wir freuten uns auf Deutschland!

Am Flughafen wurde uns angeboten, gegen eine Entschädigung mit einem anderen Flugzeug zu fliegen, da die Lufthansa ihren Flieger überbucht hatte. Wir nahmen die Entschädigung und kamen dafür eine halbe Stunde später als geplant in Frankfurt an. Dort haben wir zufällig noch einmal Jacky treffen können, die den Direktflug von Fukuoka nach Frankfurt gewählt hatte. Jetzt trennten sich unsere Wege endgültig: Jacky ist nach Hause gefahren, Marvin nach Amsterdam und ich nach Höhnstedt, wo ich schon mit Hack, Weißwürste, Lebkuchen und Wein erwartet wurde 😉

Nach einem kalorienreichen und gleichzeitig arbeitsintensiven Wochenende in Weinkeller und Weinberg sitze ich heute in der Hochschule (statt Brückentag gibts Software Engineering und VWL, jippie). Es ist also an der Zeit, Lebewohl zu sagen. Mein Tagebuch platzt schon aus allen Nähten und musste geklebt werden. Vielen Dank, dass ihr unsere Erlebnisse auf diesem Blog mitverfolgt und gelegentlich Kommentare geschrieben habt. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit euch in den nächsten paar Wochen. Bis dahin,

Marvin und Sophie

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  1. Ulrike sagt:

    Marie sieht aus, als ob Sie eine Hut auf hat.Grins!
    Danke, Sophie, daß Du gleich den Weg zu uns genommen hast und uns auch unterstützt hast!
    Ich habe mit viel Freude Deinen letzten Blogeintrag gelesen, so schnell war die Zeit vorbei!
    Bis Ende Oktober, Tschüß, Mama

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